Liebe Wanderfreude,

vor ein paar Wochen hat die Rhein Zeitung darüber berichtet, dass Tester gesucht werden,  die prüfen, was man an den Wanderwegen in der Region noch verbessern kann. Daraufhin habe ich einen Leserbrief geschrieben, dass man doch auch die Fachleute vor Ort, die Wandervereine fragen könnte. Die Redaktion hat den Leserbrief nicht veröffentlicht, sondern mich und den Vorsitzenden der OG Mayen zu einem Interview eingeladen.

Weiter gab es einen Artikel über die unzureichenden Einkehrmöglichkeiten, zu dem unser langjähriges Mitglied Edda Dörr einen Leserbrief geschrieben hat.

 

 

Kann die Region noch mehr Wanderer vertragen?

Die Rhein-Mosel-Eifel-Touristik sucht Wanderbegeisterte, die die neuen Wanderwege testen. Nun könnte man einfach auch die Wandervereine der Region fragen, die das ganze Jahr hindurch auf den Wanderwegen unterwegs sind und sich dabei durchaus auch ein Bild von deren Stärken und Schwächen machen können. Zunächst einmal: Wir freuen uns über die neuen Wanderwege, über die Traumpfade, die Traumpfädchen und den Moselsteig (früher: Moselhöhenweg), die zahlreiche Gäste in unsere Region bringen. Die Frage „Kann die Region noch mehr Wanderer vertragen?“ lässt sich auf jeden Fall bejahen, aber die Region müsste dafür auch etwas tun. Die Wanderer möchten gerne nach einer Tour z. B. auf dem Moselsteig zum Ausgangsort zurückfahren und sie möchten nach ihrer Wanderung zu Kaffee und Kuchen oder einer zünftigen Brotzeit einkehren.

Leider gibt es in der Region zwei populäre Irrtümer: Erstens: Vor Pfingsten kommen keine Wanderer. Und zweitens: Wanderer sind Sonntagswanderer. Aus diesem Grund sorgen die Bundesbahn bzw. der Zweckverband dafür, dass auf der Moselstrecke an Sonntagen in der Regel ausreichend lange Züge fahren, die die Wanderer und Radfahrer fassen können. Obwohl inzwischen auch in der Woche zahlreiche Wanderer die Bahnsteige bevölkern, ist dies den Verantwortlichen unbekannt geblieben. So reichen die kurzen Züge der Regionalbahn noch nicht einmal für die Schüler und Pendler aus. Hinzu kommen noch die Fernreisenden, die in Koblenz mit schönster Regelmäßigkeit ihren Anschluss verpassen und mit ihren Koffern in die Regionalbahn drängeln. Und dann kommen noch die Radfahrer. Wo bitte soll da noch Platz für Wanderer sein, die dann auch noch einen Sitzplatz wünschen?

Luft nach oben gibt es auch noch in der Gastronomie. „Vor Pfingsten kommen keine Wanderer“ – das hat uns an einem Sonntag im Mai eine Gastronomin in Cochem gesagt. Also bleibt die Küche kalt. Es hat sich 130 Jahre nach der Gründung des Eifelvereins noch nicht herumgesprochen, dass die Wandersaison von Januar bis Dezember geht. Auch die Parkplätze der Traumpfade werden das ganze Jahr über regelmäßig besucht. Aber die Gastronomie liegt im Winterschlaf. Selbst in einer Touristenhochburg wie Alken mit dem Traumpfad Bleidenberger Ausblicke ist im Januar und Februar alles geschlossen. Traumpfad-Wanderer auf der Wolfsdelle stehen am Sonntagnachmittag in Rhens vor verschlossenen Türen und sollten gleich nach Koblenz weiterfahren. Und in Cochem, wo sich viele Wanderwege kreuzen, passen Preis und Qualität nicht immer zusammen. Also: Unsere Region mit ihrem tollen Wegenetz kann durchaus noch mehr Wanderer vertragen. Aber dafür müssen wir etwas tun. Die Konkurrenz schläft nicht.

Wolfgang Schmid, Eifelverein Untermosel, Winningen

Leserbrief